Das Wichtigste in Kürze
- Ein Boulder ist eine kurze Kletterroute ohne Seil, meist bis gut vier Meter hoch, über dicken Matten.
- Gleiche Farbe heißt gleicher Boulder: Du startest an den markierten Startgriffen und hast ihn geschafft, wenn du den Top-Griff mit beiden Händen kontrolliert hältst.
- Lerne zuerst das Fallen: auf beiden Füßen landen, in die Knie gehen, nach hinten abrollen.
- Füße zuerst, Arme lang, Hüfte zur Wand: Mit diesen drei Regeln kletterst du von Anfang an kraftsparend.
Bouldern sieht von außen einfach aus: ein paar bunte Griffe, eine Matte, los geht es. Ein paar Grundlagen machen den Einstieg aber deutlich leichter und sicherer. Hier findest du alles, was du vor deinem ersten Hallenbesuch wissen solltest, von den Regeln über die Schwierigkeitsgrade bis zu den wichtigsten Begriffen. Was Bouldern überhaupt ist und wie es sich vom Seilklettern unterscheidet, erklären wir unter Was ist Bouldern?
Grundlage 1
So funktioniert ein Boulder
- Start
- Markierte Startgriffe, oft mit Tape oder Schild
- Ziel
- Top-Griff mit beiden Händen halten oder oben aussteigen
- Regel
- Nur Griffe und Tritte einer Farbe
Jeder Boulder besteht aus Griffen und Tritten einer Farbe. Du startest an den markierten Startgriffen, oft mit einem Schild, Tape oder einem Buchstaben gekennzeichnet. Manche Boulder beginnen im Sitzstart, dann sitzt du zu Beginn auf der Matte.
Geschafft ist der Boulder, wenn du den Top-Griff mit beiden Händen kontrolliert hältst, meist zwei bis drei Sekunden lang. Bei manchen Bouldern steigst du oben auf die Wand aus, das heißt Top-out. In vielen Hallen dürfen Wandstrukturen wie Kanten oder Volumen zusätzlich genutzt werden, frag im Zweifel an der Theke nach.
Grundlage 2
Schwierigkeitsgrade verstehen
Wie schwer ein Boulder ist, zeigt dir der Grad. In Hallen wird er meist über Farben oder eine Zahlenskala angezeigt, draußen am Fels nutzt man in Europa fast immer die Fontainebleau-Skala. Die Farben unterscheiden sich von Halle zu Halle, schau dir am Eingang die Übersicht an.
| Stufe | Fontainebleau | V-Skala (USA) | Typisch für |
|---|---|---|---|
| Einstieg | 3 bis 4 | VB bis V0 | erste Besuche |
| Leicht | 5 bis 5+ | V1 bis V2 | nach einigen Wochen |
| Mittel | 6A bis 6B+ | V3 bis V4 | regelmäßig dabei |
| Schwer | 6C bis 7A+ | V5 bis V7 | mehrere Jahre |
| Sehr schwer | ab 7B | ab V8 | Trainingsprofis |
⚠️ Häufiger Fehler: Sich an den Graden festbeißen. Ein 5er in einer Halle kann sich in der nächsten wie ein 6er anfühlen. Vergleich dich lieber mit dir selbst als mit der Skala.
Alle Skalen mit Umrechnungstabelle und dem Vergleich zum Seilklettern findest du im Ratgeber Schwierigkeitsgrade beim Bouldern.
Technik 3
Richtig fallen
- Landung
- Auf beiden Füßen, Knie gebeugt
- Danach
- Nach hinten auf den Po abrollen
- Nie
- Mit gestreckten Armen abfangen
- Level
- ●●●●●
Fallen gehört beim Bouldern dazu, und es ist das Erste, was du üben solltest. Lande auf beiden Füßen, geh in die Knie und roll dich nach hinten auf den Po und den Rücken ab. So verteilst du die Wucht auf die ganze Matte.
Schau vor dem Loslassen kurz nach unten, ob die Matte frei ist. Wenn du oben angekommen bist, kletterst du am besten ein Stück ab, statt von ganz oben zu springen. Das schont Knie und Sprunggelenke.
⚠️ Häufiger Fehler: Sich beim Sturz mit den Händen nach hinten abzustützen. Genau so entstehen die meisten Handgelenksverletzungen in der Boulderhalle.
Grundlage 4
Die fünf Grundregeln der Bewegung
- Füße zuerst: Setz die Füße bewusst, bevor du nach dem nächsten Griff greifst. Die Beine sind viel stärker als die Arme. Mehr dazu in der Tritttechnik.
- Arme lang: Häng mit gestreckten Armen an den Griffen, sobald es geht. Gebeugte Arme ermüden schnell.
- Hüfte zur Wand: Je näher dein Körperschwerpunkt an der Wand ist, desto weniger Gewicht hängt an deinen Händen.
- Erst schauen, dann klettern: Schau dir den Boulder vor dem Start von unten an und überleg dir die Züge. Diese geplante Abfolge heißt Beta.
- Locker greifen: Halte jeden Griff nur so fest wie nötig. Welche Griffart zu welchem Griff passt, zeigt dir die Grifftechnik.
Grundlage 5
Knigge in der Boulderhalle
- Nicht unter anderen: Geh nie unter jemandem durch oder bleib unter jemandem stehen, der gerade klettert.
- Einer pro Boulder: Wenn sich zwei Boulder kreuzen, wartet der eine, bis der andere fertig ist.
- Matte freihalten: Trinkflaschen, Handys und Taschen gehören neben die Matte, nicht drauf.
- Griffe bürsten: Nach deinem Versuch kurz die Griffe abbürsten, dann hat der Nächste auch Grip.
- Chalk dosieren: Viele Hallen erlauben nur Chalkbälle oder Liquid Chalk, damit weniger Staub in der Luft ist.
Mitreden können
Die wichtigsten Begriffe
- Flash
- Einen Boulder beim ersten Versuch schaffen, auch wenn du vorher zugeschaut hast.
- Onsight
- Einen Boulder beim ersten Versuch schaffen, ohne ihn vorher bei anderen gesehen zu haben.
- Projekt
- Ein Boulder, an dem du über mehrere Versuche oder Sessions arbeitest.
- Beta
- Die Lösung eines Boulders: welche Griffe, Tritte und Bewegungen du nutzt.
- Spotten
- Jemanden beim Klettern sichern, indem du Sturz und Landung lenkst. Draußen am Fels wichtig.
- Crux
- Die schwierigste Stelle eines Boulders.
- Dyno
- Ein dynamischer Sprung, bei dem kurz alle Gliedmaßen die Wand verlassen.
- Schrauben
- Das Umbauen der Boulder durch die Routenbauer der Halle.
Weitere Begriffe findest du in unserem Boulder-Lexikon.
Für deine nächste Session
3 Übungen für deine erste Session
Noch Fragen?
Häufige Fragen
Brauche ich einen Kletterschein zum Bouldern?
Nein. Beim Bouldern kletterst du ohne Seil in Absprunghöhe, einen Kletterschein brauchst du dafür nicht. Beim ersten Besuch unterschreibst du in der Halle meist eine Nutzungsvereinbarung und bekommst eine kurze Einweisung in die Hallenregeln.
Wie oft sollte ich am Anfang bouldern gehen?
Ein- bis zweimal pro Woche ist ideal. Muskeln gewöhnen sich schnell an die neue Belastung, Sehnen und Bänder in den Fingern brauchen länger. Plan zwischen zwei Sessions mindestens einen Ruhetag ein, dann bleibst du verletzungsfrei.
Wie gefährlich ist Bouldern?
Bouldern ist kein Hochrisikosport, aber die meisten Verletzungen passieren beim Landen, vor allem am Sprunggelenk. Du senkst das Risiko deutlich, wenn du richtig fallen übst, lieber abkletterst als springst, den Bereich unter dir frei hältst und dich vorher aufwärmst.
Was ist die Drei-Punkt-Regel?
Du hast immer drei Kontaktpunkte an der Wand, zum Beispiel beide Füße und eine Hand, und bewegst nur den vierten. So bleibst du stabil und kletterst kontrolliert. Für Anfänger ist das eine gute Faustregel, später kommen auch dynamische Züge dazu.
Warum muss der Sturzbereich frei bleiben?
Wer stürzt, kann sich die Landestelle nicht aussuchen. Stehst oder sitzt du unter einem Boulder, kann jemand auf dich fallen. Deshalb gehören Menschen, Flaschen und Taschen neben die Matte und nie unter eine Person, die gerade klettert.
Was brauche ich für meinen ersten Besuch?
Bequeme Kleidung und etwas zu trinken. Schuhe und Chalk kannst du in fast jeder Halle leihen. Was sich später lohnt, zeigen wir dir in der Ausrüstungs-Übersicht.